Der Vertrag von Versailles

Erster Weltkrieg, Versailles und die Nachwirkungen:

Der Zweite Weltkrieg ist ohne seine Vorgeschichte und damit ohne den Ersten Weltkrieg nicht zu verstehen. Selbstverständlich ist hier nur ein Überblick auf einige wesentliche Eckpunkte der Entstehung zu geben.
Der Erste Weltkrieg wiederum hatte ebenfalls eine vielschichtige Vorgeschichte, die sich mehr als 40 Jahre hinschleppte. So weckte der deutsche Aufstieg nach der kleindeutschen Reichsgründung von 1871 viele Neider auf den Plan. So wuchs der deutsche Außenhandel von 1887 bis 1907 um 250%, während der britische Außenhandel im selben Zeitraum nur um 80% wuchs. Zudem trachtete Frankreich auf die deutschen Grenzländer Elsaß-Lothringen, die bei der Volkszählung von 1910 eine deutsche Bevölkerungsmehrheit von gut 90% aufwiesen. Die sind nur einige wenige Bruchtteile der Eckpunkte, die das Kaisereich in eine Einkreisung brachten und im Jahr 1914 zu einem Krieg führten, der viele Väter hatte.
Das zähe Ringen das bis 1918 andauerte und nur unter dem Einsatz der Vereinigten Staaten knapp gewonnen werden konnte, brachte einen Vertrag hervor, der sich zwar offiziell Friedensvertrag nannte, jedoch nichts anderes als eine (weitgehend) unmilitärische Fortsetzung des Krieges gegen Deutschland war.
Der im pariser Vorort Versailles im gleichnamigen Schloss unterzeichnete Vertrag war de jure ein gültiges Vertragswerk, de facto aber ein Diktat. Ein Diktat deswegen, weil die Siegermächte das Deutsche Reich damit bedrohten, im Falle der Verweigerung einer Unterzeichnung, Deutschland militärisch zu besetzen, oder die Hungerblockade wieder einzusetzten, an deren Folgen nach der Kapitulation des Reichs und Österreich-Ungarns zwischen November 1918 und Mai 1919 knapp 1 Millionen Deutsche (meist Kinder, Kranke und Alte) um ihr Leben kamen. Es bestand daher keine Alternative, keine freie Wahl zu einer Unterzeichnung.
Einen maßgebenden Bestandteil des Vertragswerks bildete die geographische und damit staatliche Zerreißung des deutschen Volkes und der deutschen Länder und Siedlungsgebiete, die die gewachsene deutsche Nation, Deutschland, im frühen 20. Jahrhundert bildeten.
Laut der Volkszählung von 1910 waren mindestens 92% der Bürger des Deutschen Reiches ethnische Deutsche. Die Gebietsentreißungen auf Kosten des Reiches betrafen aber auch Gebiete in denen die Deutschen die Bevölkerungsmehrheit bildeten.
So wurden dem Deutschen Reich in Versailles auf das Betreiben Polens hin, das sich zu den Siegermächten gesellte, ein wesentlicher Teil der Provinz Westpreußen entrissen, das Soldaugebiet von Ostpreußen, weite Teile der ehemaligen Provinz Posen, sowie Ostoberschlesien. Anzumerken sei, dass Polen ganz Oberschlesien und ganz Ostpreußen forderte und bis auf Oberschlesien Teile West und Ostpreußens keine Volksabstimmungen stattfanden.Jedoch konnten in Ostpreußen und dem östlichen Westpreußen im Juli 1920 in der Volksabstimmung über die staatliche Zukunft der Regionen Ergebnisse für Deutschland von 92% in Westpreußen, bzw. 97% in Ostpreußen erzielt werden.In Oberschlesien stimmten trotz massiver Behinderungen und Terror gegen die deutschen Seite durch Polen, immerhin 60% für Deutschland.
Dänemark wurde Nordschleswig zugeschlagen. Belgien annektierte auf den Druck Frankreichs hin Teile Westdeutschlands um die Städte Eupen und Malmedy. Die dort durchgeführte Volksabstimmung wurde zu Gunsten Belgiens verfälscht.An den neugeründeten Vielvölkerstaat und Unruheherd Tschechoslowakei viel ohne Volksabstimmung das Hultschiner Ländchen. Frankreich annektierte die deutschen Länder Elsaß-Lothringen ohne Volksabstimmung.
Danzig (97% Deutsche im Jahre 1910) wurde als sogenannter ,,Freistaat” dem Reich entrissen und wirtschaftlich zwangweise an Polen gebunden.Das Memelland wurde unter alliierte Verwaltung gestellt und 1923 gegen das Völkerrecht von Litauen gewaltsam annektiert. Dies geschah obwohl das Deutsche Reich Litauen im März 1918 seine Unabhängigkeit zugestand, nach dem Sieg über das russische Zarenreich.Das Saargebiet wurde offizell unter den ,,Schutz” des Völkerbundes gestellt, jedoch wirtschaftlichzur Ausbeutung der Bodenschätze (Kohle) an Frankreich gebunden, ähnlich wie im Fall Danzig mit Polen.
Die Gebietsverluste durch das Diktat betrugen ca. 70.000 Km² Quadratkilometer, insgesamt 13 % der Staatsfläche von 1914. Das Reich verlor zudem 10 % seiner Einwohner.
Die Siegermächte nahmen dem Reich all seine Kolonien und teilten sie unter sich auf. Der Verlust der Handelsflotte betrug 90 %.Der Verlust an Bodenschätzen (Blei, Zink, Eisen) betrug jeweils über 50 %, der Verlust an Steinkohle ca. 30 %.

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~ by affliction-magazinedotcom on August 26, 2019.

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